MC Frohsinn SH †

[SN vom 8.5.20]
Ganz sang- und klanglos hat sich der Männerchor Frohsinn aufgelöst. Dies nach 118 Jahren Vereinsgeschichte.

Der Sang ist verschollen, der Wein ist verraucht – so beginnt ein berühmtes Studentenlied in Moll, das gerne von Männerchören gesungen wird. Auf den letzten Männerchor in der Stadt Schaffhausen trifft diese Liedzeile nun voll und ganz zu. Der Männerchor Frohsinn hat sich aufgelöst. «Es war ein schwieriger Entscheid», sagt der letzte Vereinspräsident Richard Schnetzler. In den letzten Jahren habe die Zahl der aktiven Sänger mehr und mehr abgenommen. Immerhin: Aus 27 Kehlen ertönte zuletzt der Gesang. «Genauso kontinuierlich hat andererseits das Durchschnittsalter der Sänger zugenommen und erreichte über 80 Jahre.» Die dadurch verbundenen gesundheitlichen Absenzen hätten die Probearbeit und Auftritte zusehends erschwert. «Als dann unsere langjährige Dirigentin Evelyne Leutwyler Mitte letzten Jahres in Pension ging, mussten wir uns ernsthaft fragen, wie es weitergehen soll», erzählt Schnetzler.
Ganz still und leise hat man sich schliesslich dazu durchgerungen, den Verein aufzulösen. Alle Bemühungen, Nachwuchs zu finden, seien in der letzten Zeit fehlgeschlagen. Mit seinen 68 Lenzen sei er das jüngste Chormitglied gewesen, sagt Schnetzler: «Es wurde uns klar, dass es über kurz oder lang zu Ende gehen würde mit dem Frohsinn», sagt Schnetzler. «Auch wenn es uns schmerzt, wollten wir nicht an den Punkt gelangen, wo es einfach nicht mehr geht.»
Der Entscheid, den Verein aufzulösen, fiel schon vor der Coronakrise. Hätte man doch noch weitergemacht, wäre die Situation wohl der Todesstoss geworden, mutmasst Schnetzler. Da alle Mitsänger zur sogenannten Risikogruppe gehören, wären Chorproben nicht möglich, an Vereinsanlässe ist ebenfalls nicht zu denken – was wenigstens vorübergehend für alle Chöre in Schaffhausen und der Schweiz gilt. Auch die Ex-«Frohsinn»-Männer wollten sich nach der Auflösung jeweils einmal im Monat im Restaurant Schützenhaus im Säli treffen, um ein Glas zu trinken, Freundschaften zu pflegen und vielleicht ein oder zwei Lieder anzustimmen. «Wir haben untereinander momentan nur telefonisch Kontakt, und es sind soweit alle gesund, das ist das Wichtigste», sagt Schnetzler.
Mit der Auflösung des «Frohsinns» verstummt nun der letzte traditionelle Männerchor in der Stadt Schaffhausen. Abgesehen vom 1863 gegründeten Männerchor Hemmental – das Randendorf wurde erst 2008 in die Stadt eingemeindet – listet der kantonale Chorverband noch fünf reine Männerchöre auf, alle auf dem Land: So gibt es noch reine Männerchöre in Buchberg, Wilchingen, Hallau, Büsingen und in Ramsen. Dabei war das Chorwesen vor ­allem in der Stadt besonders ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Nachkriegszeit hinein wie überall ein reiches. Es gab Arbeiterchöre, Chöre von Berufsgruppen, Chöre, deren Mitglieder sich vor weltanschaulichem Hintergrund zusammentaten oder um ein spezifisches Repertoire zu pflegen – nebst Geselligkeit und Gesang.